Biographie

1951 In Hamburg geboren
1976Abschluss des BWL – Studiums in Berlin
1982 Beginnt mit Porzellanmalerei
ab 1984Arbeitet weiterhin mit Porzellan in ihrem Atelier in Braunschweig
Gibt Unterricht in Porzellanmalerei
1994Blockseminar in Malerei bei John Verhodge, einem englischen Künstler
Fortbildungen in Maltechniken und handwerklichen Fähigkeiten
seit 2002Kontinuierlicher Malunterricht
2005Teilnahme an der Sommerakademie Salzburg – “Malerei –
Menschenbild” bei Xenia Hausner
2005-2006Porträt- und Aktstudien an der Akademie für Malerei, Berlin
März 2008Ausstellung in der Springer-Passage in Berlin
2008Veröffentlichung der Serie “Bin ich deutsch genug” in “DIE WELT”
Winter 2008Ausstellung in der TVDART Galerie in Berlin
Mai 2010Ausstellung in Hamburg Kunst.161, Du musst das Leben nicht verstehen.
2010-2014Diverse kleinere Ausstellungen und vermehrt Arbeiten an Portraitaufträgen.

Amelie Guth lebt und arbeitet seit 2009 in Hamburg.

Amelie Guth

Einführung

Eine Frau sitzt in einem Sessel, ihre Arme liegen auf der Lehne, der rechte Arm stützt den Kopf. Von ihrem Gesicht können wir als Betrachter nur den Mund und die Andeutung ihrer Nase erkennen, der Rest wird von einem roten Hut verdeckt. Auf ihrem Schoß liegt ein buntes Tuch, sonst trägt sie nur ein paar schwarze Strümpfe. Eine erotische Pose – und doch: ein Hauch von Traurigkeit. Es ist ein subtiler Grad, zwischen Verführung und Melancholie, zwischen Humor und Ernst, auf dem sich die Frauenakte von Amelie Guth bewegen.

Die Malerei Amelie Guths, die man auch als Farbstudien bezeichnen könnte, beschäftigt sich vor allem mit dem Menschen. Der menschliche Körper wird zum zentralen Thema, ob in Aktstudien, Porträts oder Darstellungen alltäglicher Beschäftigungen. Auf den Gemälden tauchen die verschiedensten Personen in den unterschiedlichsten Situationen auf: zwei Barkeeper, ein Boxer, zwei Frauen beim Picknick.

Und immer wieder: Kinder. Eine Mutter mit ihrem Kind, ein Junge, der ein Buch liest, drei Geschwister. Amelie Guth porträtiert Kinder in allen Altersgruppen. Fast könnte man sagen, die Kinder hätten sie zur Malerei geführt. So haben die Kinderdarstellungen Hugo Ernst Schneggs, mit denen die Künstlerin aufgewachsen ist, sie nicht nur in der eigenen Malerei, sondern auch in der Entscheidung für die Malerei beeinflusst.

Die Persönlichkeiten, die die Gemälde Amelie Guths wiedergeben, sind so divers wie die dargestellten Personen: Individuen, die durch ihre Gesichtsausdrücke und ihre Körperhaltung bestimmt werden – und nicht zuletzt durch die Objekte, mit denen sie dargestellt sind. Diese Gegenstände – Bücher, zum Beispiel, oder Hüte – verleihen den Gemälden eine stilllebenhafte Komponente, die sie besonders interessant machen.

Stillleben begründen den zweiten Schwerpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Früchte, Wein und Fisch oder malerische Utensilien wie Pinsel und Farbtöpfe werden mit dem gleichen künstlerisch forschenden Blick festgehalten – auch sie, Charakterstudien.
Und ganz wie die porträtierten Menschen scheinen die Stillleben nie wirklich in der Bewegung aufzuhören. Amelie Guths Werke zeichnen sich durch Bewegung und Leichtigkeit aus, der lockere Pinselstrich hält ein pulsierendes Leben fest. Oft bleiben die Gemälde unvollendet, zumindest ein wenig. Diese Skizzenhaftigkeit verleiht den Gemälden besondere Lebendigkeit und fordert gleichzeitig die Phantasie des Betrachters. Die bräunliche Malpappe, die die Künstlerin anstatt einer Leinwand verwendet, bleibt in vielen Bildern sichtbar und unterstreicht die Eigenschaft des ‚Unfertigen’.

Kräftige Farbakzente heben sich vom Hintergrund ab und verleihen der Malerei besondere Ausdrucksfähigkeit. Amelie Guth denkt in Farbe: leuchtende Rottöne oder satte Grünnuancen charakterisieren Personen und Objekte.

In einigen Gemälden wird die Malerei von einem Text begleitet. So stehen Kopf und Kunst miteinander im Wettstreit und ergänzen sich. Ein Wort, ein Spruch oder auch ein Gedicht geben dem Betrachter Denkanstöße und dem Werk weitere Dimensionen. So ist der Spruch, der sich neben einigen Malutensilien befindet, gleichzeitig für jede Kunst gültig und ganz persönlich: „Die Verzweiflung des Malers vor dem Stillleben!“